Seit wann arbeitet ihr so?

Jedes Team kann eine zusätzliche Belastung tragen - eine Zeit lang.

 

Nicht jede Überlastung lässt sich mit Resilienz lösen.

Und das sage ich als jemand, der viel mit Resilienz arbeitet.

 

Menschen können lernen, besser mit Druck umzugehen. Sie können ihre Grenzen früher wahrnehmen, ihre Energie bewusster einsetzen und auch in schwierigen Phasen handlungsfähig bleiben.

Aber Resilienz darf nicht dazu dienen, dauerhaft ungesunde Bedingungen besser auszuhalten.

 

Jedes Team kann eine Ausnahme tragen: ein Projekt, das mehr verlangt. Eine Krankheitswelle. Eine Phase, in der alle füreinander einspringen und gemeinsam mehr geben.

Das können Teams erstaunlich gut, wenn sie wissen, wofür und wie lange.

Schwierig wird es, wenn niemand mehr sagen kann, wann diese Ausnahme eigentlich angefangen hat.

Ich frage in Trainings manchmal:

„Seit wann arbeitet ihr so?“

Dann wird es häufig still.

 

Die Antworten liegen Monate, manchmal Jahre auseinander. Für die einen begann es mit einer Umstrukturierung, für andere mit zwei unbesetzten Stellen. Irgendwann hat sich die Überlastung so leise in den Alltag geschoben, dass sie nicht mehr hinterfragt wird.

Dann ist die Ausnahme keine Ausnahme mehr. Sie ist zur Grundlage der Planung geworden.

 

Ich kenne das aus über 20 Jahren Führung – und ich weiß, wie schnell engagierte Menschen anfangen, das Unmögliche möglich zu machen. Aus Verantwortung, Loyalität und weil sie ihr Team nicht im Stich lassen wollen.

Aber genau dieses Engagement darf nicht dauerhaft zum Ausgleich für fehlende Ressourcen oder ungeklärte Prioritäten werden.

 

Der erste Schritt wirkt unspektakulär und braucht trotzdem Mut:

Aussprechen, dass wir es nicht mehr mit einer Phase zu tun haben, sondern mit einem Zustand.

Denn erst dann kann Führung wieder ehrlich entscheiden:

Was lassen wir?

Was hat wirklich Priorität?

Was können wir unter diesen Bedingungen nicht länger versprechen?

 

Gesunde Leistungskultur bedeutet nicht, dass es niemals anstrengend werden darf. Sie bedeutet, dass aus einer anstrengenden Phase kein still akzeptierter Dauerzustand wird.

 

Woran merkt ihr in eurem Unternehmen, dass eine Ausnahme längst zum Normalzustand geworden ist , und wie ehrlich wird darüber gesprochen?

 

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